Das Projekt

von neubauadmin

Über 30 Jahre hat uns das Dienststellengebäude in Korneuburg eine gute Heimat geboten. Akuter Platzmangel und Umbauten, die notwendig wären, um die aktuellen gesetzlichen Baubestimmungen zu erfüllen, machen nun aber einen Neubau notwendig.

Renovierung oder Neubau?

Zu Beginn der Projektphase wurden mit vier Architektenbüros die zwei Varianten Renovierung mit Zubau und kompletter Abriss mit Neubau bewertet. Das einhellige Ergebnis lautete, dass aus Kosten-Nutzensicht ein Neubau unausweichlich ist.

Auch wenn uns bewusst war, dass ein kompletter Neubau unsere finanziellen Grenzen ausreizen würde, war die Entscheidung alternativlos. In der Vergangenheit hat unsere Bevölkerung immer wieder eine große Spendenbereitschaft bewiesen. Auf diese hoffen wir auch in diesem Projekt! Wie Sie uns unterstützen können, finden Sie hier.

Grundsätzliche Zielsetzungen

Nach einer intensiven Auseinandersetzung mit der Standortfrage, wurden die grundsätzliche Zielsetzungen, die der Neubau erfüllen sollte, definiert:

  • Der Neubau erfolgt bei Aufrechterhaltung des laufenden Betriebes auf dem Standort der bestehenden Bezirksstelle.
  • Das Gesamtkonzept des Projektes ist prioritär funktionsorientiert und unter Rücksicht auf eine sehr hohe Betriebssicherheit und tauglich für eine allfällige Erweiterung der Leistungen der Bezirksstelle zu entwerfen.
  • Die Gebäude sind unter Berücksichtigung einer wechselnden Betriebs- und Nutzergruppe langlebig, nutzungs- und wartungsfreundlich zu errichten und mit einer zukunftstauglichen, robusten und hocheffizienten Energietechnik auszustatten.
  • Barrierefreiheit

Projektpartner Planung

Im nächsten Schritt trafen wir die Entscheidung, mit welchen Planungsbüros wir das Projekt umsetzen wollen. Die Entscheidung viel auf:

Raumprogramm und besondere Anforderungen

Auf Basis unserer Tätigkeiten, MitarbeiterInnenanzahl, Fuhrpark und Lagernotwendigkeiten begannen wir schlußendlich ein Raumprogramm auszuarbeiten. Dieses durfte natürlich nicht nur den aktuellen Bedarf, sondern musste zwangläufig auf zukünftige Anforderungen berücksichtigen. So entstand eine Bedarfsliste, welche nicht nur den Verwendungszweck, sondern zu jedem Raum auch ein Informationspaket (z.B. gewünschte/notwendige Fläche, untypische Anforderungen (Energieversorgung), Zugänglichkeit (intern/extern), gewünschte Etagenlage, etc.) enthielt.

Schnell war klar, dass das Gebäude folgende Anforderungen erfüllen sollte:

  • Räume, welche oft extern erreichbar sein müssen, sollen im Erdgeschoss angesiedelt werden (dies betrifft vor allem den Ausbildungsbereich)
  • Räume, welche sowohl vom Tag-, als auch vom Nachtbetrieb regelmäßig genutzt werden, sollen im 1. Obergeschoss sein (z.B. Sozialräume, Büros)
  • Räume, welche fast ausschließlich durch die Nachtmannschaften genutzt werden (v.a. Schlafräume) werden im 2. Obergeschoss untergebracht
  • Die Lager- und Administrationsräume des Rettungs- und Krankentransportdienstes sollen primär in der Nähe der Fahrzeuge angeordnet sein, um kurze Wege zu ermöglichen
  • Es soll einen zentralen Haupteingang geben
  • Das Gebäude soll eine konsequente Trennung in externe und interne Bereiche aufweisen, um sensible Bereiche, wie z.B. Lager Ersatzgeräte, Schlafräume ehrenamtliche Mitarbeiter und datenschutzrelevante Räume, optimal zu schützen
  • Das Raumkonzept soll eine flexible Nutzung ermöglichen, um auf etwaige betriebliche Veränderungen reagieren zu können
  • Gemeinsame Räumlichkeiten für ehrenamtliche, hauptberufliche, zivildienstleistende MitarbeiterInnen sowie Notärzte und TeilnehmerInnen des Freiwilligen Sozialen Jahres (somit keine separaten Sozialräume)
  • Internes Verkehrskonzept, welches Ein- und Ausfahrten der Rettungsfahrzeuge nicht nur in die Jahnstraße, sondern notfalls auch in die Hovengasse zulässt
  • Einplanung einer Haustankstelle aus Kostenersparnisgründen und um autark den Betrieb aufrecht erhalten zu können
  • Ermöglichung von „Quality Time“ für ehrenamtliche MitarbeiterInnen

Vor allem der letzte Punkt sollte für Außenstehende erläutert werden. Falsch verstanden verleitet er zur Annahme, dass wir die investierten Gelder leichtfertig ausgeben. Das Gegenteil ist der Fall.

Quality Time für MitarbeiterInnen

Um ehrenamtliche MitarbeiterInnen zu binden, muss nicht nur eine Wohlfühl-Umgebung geschaffen werden, sondern eine Umgebung, in der man seine Zeit produktiv nutzen kann.

Für alle MitarbeiterInnen ist eine schöne Dienststelle, die eine funktionierende Infrastruktur sowie Platz für Arbeit und Erholung bietet wichtig. Besonders trifft dies auf unsere ehrenamtlichen MitarbeiterInnen im Rettungs- und Krankentransportdienst zu.

In unserem Bezirk werden alle Nachtdienste, sowie alle Wochenenden und Feiertage durch ehrenamtliche MitarbeiterInnen abgedeckt. Somit verbringen diese MitarbeiterInnen nicht nur Ihre Freizeit auf unserer Dienststelle, sondern mitunter auch die Zeit zwischen Ihrem eigentlichen (Brot-)Beruf. Mit dem Wissen, dass der Rettungs- und Krankentransportdienst nicht als Bereitschaftsdienst von Zuhause durchgeführt wird, sondern dass unsere MitarbeiterInnen – sofern nicht auf Einsatz – den gesamten Dienst auf der Dienststelle verbringen, leuchtet es ein, dass wir eine attraktive Umgebung bieten wollen. Immer öfter werden wir aber auch mit dem MitarbeiterInnenwunsch konfrontiert, dass die ausfahrtsfreie Zeit produktiv genutzt werden will. MitarbeiterInnen, die sich gerade im Studium befinden, möchten sich in Ruheräume zurückziehen, um konzentriert lernen zu können. Gleichzeitig wird aber auch der Wunsch nach geselligen Gemeinschaftsräumen geäußert.

Eine zusätzliche Herausforderung stellen die immer anstrengender werdenden Nachtdienste für unsere Freiwilligen dar. Es steigt nicht nur die Anzahl der Ausfahrten in der Nacht, sondern auch die Wegstrecken vom Notfallort ins Krankenhaus. Dies hängt mit einer Änderung unserer Spitalsstruktur zusammen. Immer öfter werden Spezialkliniken angefahren, anstatt das nächstgelegene Spital. Somit das richtige Spital und nicht zwangsläufig das am schnellsten zu erreichende.

Dies bedeutet wiederum, dass sich die Zeit, in welcher unsere MitarbeiterInnen schlafen können, weniger wird. Umso wichtiger ist es, die Schlafraumumgebung so zu gestalten, dass sich unsere MitarbeiterInnen bestens erholen können:

  • getrennte Schlafräume pro Fahrzeug (damit niemand durch eine „fremde“ Alarmierung aufwacht)
  • Erhöhte Schalldämmung bei Zwischenwänden und Türen der Schlafräume
  • maximal 3-Bett-Zimmer
  • pro Schlafzimmer eine eigene Sanitäreinheit (Dusche, WC, Waschbecken)

Wir sind überzeugt, dass sich die Invesitionen, die wir in diesem Bereich setzen, durch eine erhöhte ehrenamtliche Dienstbesetzung schnell rechnen. Jeder nicht ehrenamtlich besetzte Dienst muss durch hauptberufliche Mitarbeiter abgedeckt werden!

Besonderheiten der Dienststelle

Ausbildungsräume

Bereits zählen wir zu einem wichtigen Ausbildungsstützpunkt in Niederösterreich, vor allem im Bereich der Ersten Hilfe und Sanitätshilfe. Diese Kompetenz möchten wir im Sinne unserer Mitabeiter und der versorgten Bevölkerung weiter ausbauen. Deshalb gibt es in unserer neuen Dienststelle nicht nur die üblichen Seminarräume, sondern eine eigene San-Arena. Was das ist, kann hier nachgelesen werden.

Hygieneschleuse

Die Hygieneschleuse stellt die räumliche Verbindung zwischen der Fahrzeughalle Rettungs- und Krankentransportdienst und dem Hauptgebäude dar. Neben einem Handwaschbecken und einer Händedesinfektionsmöglichkeit steht auch ein Stiefelwaschbecken zur Reinigung der Einsatzschuhe zur Verfügung. Zudem stehen für die Reinigung und Desinfektion der Einsatzgeräte spezielle Desinfektionswannen parat. Im Extremfall haben unsere MitarbeiterInnen sogar die Möglichkeit, sich direkt in der Hygieneschleuse abzuduschen. Schon unsere bisherige Hygieneschleuse ist ein Best-Practice-Modell in Niederösterreich. Dieses Niveau werden wir im Neubau natürlich beibehalten.

Fahrzeughalle Rettungs- und Krankentransportdienst

Jedes Rettungsfahrzeug muss zu Dienstbeginn überprüft werden. Dazu zählt nicht nur die Kontrolle des KFZ selbst, sondern vor allem auch die Prüfung der Ausstattung. Ist der Rucksack entsprechend der Vorgaben gefüllt? Entspricht der Inhalt der Fahrzeugladen der Checkliste? Funktionieren alle Geräte? Dafür muss auch unter anderem die Trage aus dem Fahrzeug gezogen werden, um das Fahrwerk etc. zu testen. Um dies zu tun, benötigt man hinter dem Fahrzeug etwa 2,5m Platz.

Um das Fahrzeug für diesen Test, der bei jeder Dienstübergabe – also 1-2x täglich – stattfinden muss, nicht immer aus der Halle fahren zu müssen, wird hinter dem Fahrzeug relativ viel Platz benötigt. Um diesen Freiraum möglichst effizient zu nutzen, haben wir uns für folgende Hallenkonzeption entschieden: Jedes Fahrzeug hat ein separates Garagentor und schieb verkehrt in die Halle. Zwischen den Hecks der beiden gegenüber abgestellten Fahrzeuge bleibt ein etwa 3m breiter Gehweg, welcher gleichzeitig für die Fahrzeugüberprüfung genutzt werden kann.

Die Garagentore werden über unser Netzwerk angesteuert, sodass sich das entsprechende Garagentor bei einer Fahrzeugalarmierung und bei Rückkehr eines Fahrzeuges automatisch öffnet. Torhöhen und -breiten sind so gewählt, dass auch eventuelle Änderungen der Fahrzeugdimensionen kein Problem darstellen werden.

Während unsere Fahrzeuge in der Garage geparkt sind, werden sie ständig mit Strom versorgt um eingebaute Geräte zu laden und die Standheizung zu versorgen. Um die Heizkosten (Strom) der Fahrzeuge zu reduzieren und ein angenehmes Arbeiten in der Fahrzeughalle zu ermöglichen, wird die Garage mittels Bauteilaktivierung ständig auf mindestens ca. 6°C temperiert.

Sozialräume

Das Konzept unserer Sozialräume (Gemeinschaftsküche, Speisesaal, TV-Räume, Spindraum, etc.) sieht eine gemeinsame Nutzung durch alle Mitarbeitergruppen (ehrenamtliche, hauptberufliche, zivildienstleistende MitarbeiterInnen, TeilnehmerInnen FSJ) vor.

Folgende Frage stand bei der Planung immer im Vordergrund: Welche Räume müssen wir unseren ehrenamtlichen MitarbeiterInnen anbieten, damit sie die Zeit auf der Dienststelle sinnvoll nutzen können? Je besser es gelingt, dass die Zeit auf der Dienststelle qualitativ gleich gut wie zuhause genutzt werden kann, desto mehr Dienste werden unsere ehrenamtlichen MitarbeiterInnen übernehmen.

  • Unsere StudentInnen möchten die ausfahrtsfreie Zeit oft nutzen, um konzentriert für die Uni zu lernen
  • Unsere im Arbeitsleben stehenden MitarbeiterInnen wollen in der ausfahrtsfreien Zeit entspannen und nicht vom Stress des restlichen Dienstbetriebes gestört werden
  • Andere MitarbeiterInnen unterhalten sich in der ausfahrtsfreien Zeit gerne mit anderen KollegInnen, es stehen gemeinsames fernsehen, essen und kochen oder Gesellschaftsspiele auf dem Programm

Unser Sozialbereich umfasst daher einen großen offenen Bereich, welcher Gemeinschaftsküche und Speisesaal/Aufenthaltsraum umfasst. Durch Glaswände getrennt befindet sich anschließend ein Ruheraum, sowie der „Tischfussballraum“, sowie die zwei TV-Räume. Entlang des Sozialtrakts befindet sich eine großzügige Terrasse, die im Sommer als Grillplatz genutzt werden kann. Zusätzlich steht unseren Mitarbeitern ein Lernraum zur Verfügung.

Tankstelle

Schon unsere bisherige Dienststelle verfügte über eine eigene Haustankstelle. Diese bietet zwei wesentliche Vorteile:

Erstens können über Großmengen immense Einkaufsvorteile erzielt werden, welche letztlich in geringeren Kosten resultieren. Diese Kostenvorteile werden bei der neuen Tankstelle noch stärker ausfallen, da nicht nur ein Diesel-, sondern auch ein Ad-Blue-Tank vorgesehen ist. Somit kann auch Ad-Blue in Großmengen gekauft werden.

Zweitens sichert eine eigene Haustankstelle in Verbindung mit unserem mobilen Notstromaggregat eine Unabhängigkeit vom allgemeinen Stromnetz. Somit sind wir in jedem Fall zu 100 % einsatzbereit! Nähere Informationen dazu hier.

Bauteilaktivierung

Den Kern unserer Haustechnik bildet das Konzept der Bauteilaktivierung. Dabei werden ohnehin erforderliche großflächige Bauteile aus Beton verwendet, um das Gebäude zu wärmen, aber auch zu kühlen. Wie dies funktioniert, sehen Sie hier.